Vogelbeere aka Eberesche (Sorbus aucuparia)
Es ist Herbst und dieses Jahr gibt es hier auf der Schwäbischen Alb eine Menge der allgemein leider verkannten Beeren. Wie oft in meinem Leben habe ich schon gehört "Die sind giftig". Dabei hätte die Eberesche mit ihren leuchten orangen Früchten einen besseren Ruf verdient. Giftig sind sie nämlich mitnichten, Ihre Beeren enthalten Parasorbinsäure, die beim Genuss von größeren Mengen zwar Durchfall und Erbrechen verursachen kann und sehr bitter schmeckt, aber nicht giftig ist. Wenn man die Früchte allerdings einfriert oder kocht wandelt sich die Parasorbinsäure in Sorbinsäure und ist um einiges verträglicher. Und dann kommt man auch in den Genuss der großen Vorzüge der Vogelbeeren, sie enthalten sehr viel Vitamin C, Provitamin A und Eisen. Früher wurde gerne ein Vorrat für den Winter angelegt, das war bevor es den ganzen Winter Zitronen im Supermarkt gab. Hat man das Glück einer Mährischen Eberesche im Garten, kann man die Früchte sogar roh essen, sie enthalten kaum Parasorbinsäure und mehr Zucker.
Botanisch gehört die Eberesche zu den Rosengewächsen und hat auch die typischen Merkmale der 5-teiligen Blütenbestandteile. Sie gehört zu den Pioniergehölzen und ist damit zum einen sehr schnellwüchsig und besiedelt freie Standorte als erstes. Mit einer Größe von 15 Metern gehört sie auch nicht gerade zu den größten Bäumen und auch beim Alter spielt sie mit ihren 150 Jahren nicht ganz vorne mit. Ökologisch ist die Eberesche aber ein äußerst wertvoller heimischer Baum, über 60 Vogelarten lieben ihre Früchte, der Name Vogelbeere ist ein deutlicher Hinweis darauf. Zahlreiche Säugetierarten ernähren sich nicht nur von den Früchten sondern auch von den Blättern. Und über 70 Insektenarten freuen sich über die Eberesche, darunter viele Schmetterlinge.
Im Volksglauben ist die Eberesche schon seit den Kelten eine wichtiger Schutz- und Zauberbaum. Wie die Haselnuss war auch die Eberesche ein sogenannter Quickbaum, der Fruchtbarkeit bescheren soll. Wurden Kühe, Kälber oder andere Tiere damit geschlagen, sollte der Nachwuchs gesichert sein. Selbiges versuchte man auch an den Waden junger Mädchen.
Diesen Brauch kennen wir noch von der Nikolausrute oder von den Perchtenläufen im Bayerischen Wald oder dem Alpenraum. Heutzutage ist dieser Brauch dort fairerweise nicht mehr nur auf junge Mädchen beschränkt, ich selbst hab schon die schmerzhafte Rute an meinen Waden gespürt.
Hat man nun das Glück, Ebereschen in der Nähe zu haben und war auch schneller als die zahlreichen Vögel, lassen sich aus den Beeren tolle Dinge zaubern, hier ein Rezept zum Abschluß:
Gleiche Teile Wasser und Zucker in einen Topf, dazu Gewürze nach Belieben (Zimt, Nelke, Vanille, ...) und natürlich die Vogelbeeren. Alles etwa eine halbe Stunde kochen lassen. Dann läßt man das ganze über Nacht ziehen. Am nächsten Tag Beeren und Gewürze abseihen, Sirup erneut aufkochen und die Beeren ohne Gewürze wieder einen Tag ziehen lassen. Das ganze ca 1 Woche wiederholen. Anschließend die Beeren auf einem Backpapier trocken >> Geduld! Jetzt entweder mit Puderzucker bestäuben oder mit geschmolzener Schokolade überziehen, ich pack sie in meine Bonbonformen mache kleine Schokopralinen daraus. Sehr lecker. Probiert es aus.


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