top of page

Patentag im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald

19. Sept.
4 Min. Lesezeit

Lange waren wir nicht mehr dort, aber jetzt hatte der Alternative Wolf- und Bärenpark Schwarzwald zum Patentag geladen. Die Chance haben wir natürlich genutzt und haben uns auf den Weg in den Schwarzwald gemacht. Der Park hat uns schon vor Jahren überzeugt und so gab es auch mal ein Tattooroulette in meinem Tattoostudio, dessen Einahmen dem Wolf- und Bärenpark zugute kamen. Kurze Zeit später wurden wir auch Paten, Nili von Agonis, ich von Franca. Deshalb kam jetzt auch die Einladung.

Bär Agonis beim Gras fressen.
Agonis beim grasen

Seit unserem letzten Besuch haben sich manche Dinge geändert, was aber auf jeden Fall gleich geblieben ist, ist der fette Kloß im Hals den man den ganzen Tag nicht mehr los wird. Nicht falsch verstehen, den Besuch des Parks kann ich wärmstens empfehlen und es ist dort wunderschön, doch die Schicksale der Tiere lassen einen nicht unberührt.

Der Wolf- und Bärenpark rettet Wölfe, Bären und Luchse aus grausamer Gefangenschaft und gibt ihnen kein artgerechtes, aber ein besseres Leben. Warum nicht artgerecht? Ein Braunbärenrevier ist locker über 100qkm groß, sowas kann der Park natürlich nicht leisten. Die eingezäunten Bereiche sind für einen Bären eher klein, trotzdem finden sie dort alles was sie benötigen, Bäume, Wasserstellen, Rückzugsräume, Höhlen usw., aber alles eben eingezäunt. Dazu kommt, daß wie in der Wildnis eben auch, Wölfe und Bären im selben Bereich leben und Nahrungskonkurrenten darstellen. Es gibt keine Garantie auch nur ein Tier zu Gesicht zu bekommen, wenn den Bewohnern die Besucher zu viel werden haben sie viele Möglichkeiten sich zu verstecken und zurückzuziehen. Für Wölfe, Bären und Luchse aus der Gefangenschaft ist das meist ein riesen Fortschritt. Sie wurden meist in engen Käfigen oder an Leinen zur Belustigung von Touristen gehalten. Wie sieht es aber aus mit Bären die Freiheit gewohnt sind? Eigentlich ist es nicht vorgesehen wilde Bären aus der Natur im Bärenpark aufzunehmen. Doch manchmal will es das Schicksal leider anders.


Bärin Franca in ihrer Höhle
Bärin Franca in ihrer Höhle

Thema eines Vortrags von Bernd Nonnenmacher, dem Geschäftsführer der beiden Bärenparke im Schwarzwald und in Thüringen, war der Fall Luna, auch bekannt unter JJ4. Luna ist die Bärin, die im Frühjahr 23 in Italien einen Jogger tödlich angegriffen hatte. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt Nachwuchs bei sich. Sie ist außerdem die Tochter von Jurka und Schwester von Bruno. Ihr erinnert euch evtl, Bruno war jener "Problembär", der 2006 getötet wurde als er nach Deutschland kam. Jurka, die Mutter, hatte in Slowenien gelernt, daß es bei Menschen Futter gibt. Sie wurde dort angefüttert, hatte die Scheu vor Menschen verloren und als sie in Italien ausgewildert wurde, das gelernte Verhalten an ihren Nachwuchs weiter gegeben. Das wurde ihren Kindern zum Verhängnis.

Zurück zu Luna. Das schlimme Ereignis mit dem Jogger führte zu ihrer Gefangenschaft, ihr Nachwuchs wurde sofort wieder in die Freiheit entlassen. Um Luna dagegen entbrannte ein heftiger Streit. Manche wollten den Bär tot sehen, andere wollten ihn wieder frei lassen. Schließlich entschied ein Gericht Luna sollte nie wieder frei sein, aber durfte auch nicht getötet werden. Es gab die Möglichkeit sie in einen Zoo zu stecken oder in ein Freigelände in Rumänien zusammen mit hundert ehemaligen Tanzbären. Als Wildtier hätte das unausweichlich zu heftigen Kämpfen geführt. Keine guten Aussichten für einen wilden Bären wie Luna, der die Freiheit der Alpen gewohnt war.

Sie zu erlösen wäre die beste Möglichkeit für Luna gewesen, meint Bernd Nonnenmacher, ein Tier aus der freien Natur einzusperren ist grausam. Nachvollziehbar wie ich finde. Aber diese Möglichkeit gab es nicht. Also haben sich die Mitarbeiter des Parks dazu entschlossen Luna aufzunehmen und ihr das bestmögliche Leben zu bieten. Mit Bildern und Videos haben wir die ganze Aktion sehen können. Besonders schlimm war die Ankunft Lunas im Bärenpark, die Verzweiflung und Panik war ihr anzusehen. Deutlich machte sie klar, daß sie hier nicht sein wollte. Mit viel Vorsicht und Geduld gelangen den Mitarbeitern kleine Fortschritte, schließlich aß sie sogar vor den Pflegern. Schließlich kam sie auf eine eigene Fläche. Dort war zu beobachten daß sie Menschen panisch mied. Sich also nicht aggressiv verhielt sondern das gegenteilige Verhalten zeigte. Mittlerweil hat sie Gesellschaft von Artos, dem größten Bären des Parks, der schon als Welpe in den Schwarzwald kam. Er gibt ihr etwas Sicherheit. Dennoch ist ihr Schicksal kein Schönes oder würde es euch gefallen all eure Freiheit zu verlieren und nur noch auf engem Raum leben zu dürfen?

Der Vortrag war sehr informativ aber auch aufwühlend, selbst die Vortragenden konnten ihre Tränen nicht verbergen.

Agonis
Agonis

Es bleibt die Frage, gibt es auch einen Platz für wilde Tiere, in einer Welt in der der Mensch jeglichen Bereich für sich beansprucht? Können wir Kompromisse eingehen und unseren tierischen Mitbewohnern auch den nötigen Raum überlassen? Diese Frage stellt sich auch ganz besonders uns Outdoormenschen, müssen wir jeden Winkel erkundet haben oder respektieren wir auch Rückzugsräume in denen wir nichts zu suchen haben?


Der Patentag entläßt einen nachdenklichen Albschrat, aber ich bin auch froh, froh diesen Tieren etwas gutes tun zu können und eine Organisation zu unterstützen der das Wohl ihrer Schützlinge wirklich am Herzen liegt. Und die auch bemüht ist, durch Unterstützung der Wissenschaft, auch viel zur Verbesserung der Situation beizutragen.


Und wenn ihr jetzt auch Lust habt den Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald zu unterstützen dann besucht doch mal ihre Seite:


 
 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
Vogelbeere aka Eberesche (Sorbus aucuparia)

Es ist Herbst und dieses Jahr gibt es hier auf der Schwäbischen Alb eine Menge der allgemein leider verkannten Beeren. Wie oft in meinem Leben habe ich schon gehört "Die sind giftig". Dabei hätte die

 
 
 

Kommentare


  • Instagram Naturerlebnisse
  • Facebook
  • Instagram Tattoo
bottom of page